Freiheit erleben – Zwei Ausstellungen, ein großes Thema
Memmingen – Was bedeutet Freiheit heute? Diese Frage steht im Mittelpunkt der beiden neuen Ausstellungen in der MEWO Kunsthalle: ‚frey seyen und wöllen sein‘ und ‚Freiheit zum Träumen‘. Seit Ende Februar laden sie dazu ein, über Freiheit, Gerechtigkeit und unsere Zukunft nachzudenken – mit künstlerischen Impulsen und interaktiven Erlebnissen. Die Ausstellungen sind der Beitrag der MEWO Kunsthalle zum Event- und Gedenkjahr „500 Jahre Zwölf Artikel“ in Memmingen.
Träume von Freiheit und Gerechtigkeit gab es immer – und Menschen haben stets darum gekämpft, ihre Gesellschaft zu verändern. Beide Ausstellungen knüpfen daran an, stellen Fragen zu heutigen Zielen und transportieren das Freiheitsthema in die Gegenwart und die eigene Lebenswirklichkeit.
Freiheit in der Kunst
Welche Veränderungen braucht es, um unsere Welt lebenswert zu machen? Die Kunstschaffenden der Ausstellung ‚frey seyen und wöllen sein‘ setzen sich intensiv mit diesem Thema auseinander. Sie kommentieren aktuelle Entwicklungen, entwerfen Zukunftsstrategien und zeigen Chancen sowie Hindernisse auf.
Ein Beispiel ist das Werk von Yael Bartana, Künstlerin des deutschen Pavillons der Venedig Biennale 2024. In ihrem Film Two Minutes to Midnight (2021) entwirft sie ein Zukunftsszenario: Ein weiblich besetztes Regierungskabinett berät mit seinen Expertinnen über den Umgang mit einer Bedrohung. Angesichts dieser Ausgangslage wird hart debattiert. Es geht auch darum, wie Handlungsfähigkeit gewährleistet bleibt, ohne die eigenen Prinzipien zu verraten.
Dass Gesellschaft kein statischer Zustand ist, zeigt das Werk Dein Land Existiert Nicht (2013) von Libia Castro & Ólafur Ólafsson im Lichthof. In leuchtend blauen Neon-Buchstaben wirft die Aussage die große Frage nach der Organisation unseres Gemeinwesens auf. Was unveränderlich scheint, ist letztlich Teil eines ständigen Aushandlungsprozesses. Jede Generation muss neu entscheiden, wie sie ihre Gesellschaft gestalten will. Als wichtiger Beitrag zum Event- und Gedenkjahr „500 Jahre Zwölf Artikel“ richtet sich diese Ausstellung daher nicht nur in die Vergangenheit, sondern wagt Ausblicke in eine mögliche Zukunft.
Ein zentraler Ort der Ausstellung ist die Agora im Lichthof – ein Raum für Austausch, Diskussionen und Vorträge. Hier finden der monatliche Talk am Dienstag zu Themen wie Gleichberechtigung, Teilhabe oder Selbstbestimmung statt. Zudem wird der Monolog ‚Der Reichsbürger‘ von Annalena & Konstantin Küspert in einer Inszenierung des Landestheaters Schwaben regelmäßig aufgeführt.
Freiheit zum Träumen – eine interaktive Ausstellung für Familien
Die zweite Ausstellung ist ein Erlebnis für kleine und große Entdecker. ‚Freiheit zum Träumen‘ richtet sich mit ihrem interaktiven Ansatz vor allem an Familien mit Kindern – in Begleitung an 3 Jahre. Hier können eigene Vorstellungen von Freiheit kreativ erforscht und spielerisch entdeckt werden. „Wir verstehen uns als Bildungseinrichtung und möchten im Freiheitsjahr 2025 Zugänge zu diesem komplexen Thema gerade für Kinder und Jugendliche schaffen“, erklärt Kunstvermittler Jörn Becker. Ob Versammlungsfreiheit, Kunst- oder Redefreiheit – hier gibt es viele Anknüpfungspunkte zur eigenen Lebenswirklichkeit.
Mit Kunst und Spiel geht es auf eine persönliche Reise: Welche Freiheiten haben wir? Wo sind ihre Grenzen? Auch Gefahren im Netz, etwa durch Fake News, werden altersgerecht vermittelt. Zusätzlich bieten Erzählungen zu Freiheitskämpfer*innen spannende und persönliche Perspektiven. Die Geschichten sind für unterschiedliche Altersstufen aufbereitet und können gelesen oder über eine Medienstation angehört werden.
Ein besonderes Highlight ist der Raum der kreativen Freiheit: Hier laden eine Legowand, Tablets zum kooperativen Malen und klassische Schreibmaschinen dazu ein, Gedanken in Worte oder Bilder zu verwandeln. Spielerisches Lernen und künstlerischer Ausdruck regen dazu an, sich mit eigenen Ideen von Freiheit zu beschäftigen und für eine gerechte und freie Welt einzusetzen.
Ob Kunst, Geschichte oder Familienangebot – diese beiden Ausstellungen bieten inspirierende Einblicke in das Freiheitsthema und regen zum Nachdenken, Mitgestalten und Träumen an.
Neu im April
Am Freitag, 11.4.2025, um 19 Uhr eröffnet zudem die Ausstellung ‚Let’s Start Here‘ von Dieter Rehm. Darin präsentiert der Künstler eine neue Serie fotografischer Arbeiten. Die schillernden Architekturen des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth bannt Rehm darin mit flirrenden Farben auf glänzende Aluminiumplatten. Gleichzeitig geht die Schau zurück an seine künstlerischen Anfänge und präsentiert eine Auswahl der von ihm gestalteten Cover von ECM Records.
MEWO Kunsthalle, Bahnhofstraße 1, Memmingen
Dienstag bis Donnerstag und feiertags von 11-17 Uhr
Eintritt frei
mewo-kunsthalle.de
Foto: MEWO-Kunsthalle / Axel Städter